Auch Anschauen ist eine Kunst

Wie sehen Mosaiken eigentlich im öffentlichen Raum aus? Diese Frage hatte uns schon in unserer ersten Workshopwoche beschäftigt, denn auch wir werden ja mit unserem Mosaik die Umgebung unserers Kiezes gestalten. So kam die Idee auf, dass wir uns verschiedene Beispiele in Berlin anschauen könnten. Aber wo sollten wir anfangen? Dank unserer erfahrenen Workshopleiterin Petra Schroeck fiel die Wahl auf das Fliesenmosaik im Fußgängertunnel des S-Bahnhofes Wannsee, welches nicht nur Bezug auf seine Umgebung nimmt, sondern auch noch für alle Teilnehmer*innen zugänglich ist. Nach einem Kurzvortrag zur Geschichte und technischen Details, ging jeder auf Motivsuche und -enträtselung, denn so manche Abbildungen waren erst mit etwas Fantasie zu erkennen. Aber daran mangelt uns ja nicht. Nicht nur die Hunde und Fahrräder konnten ermittelt werden, sondern auch die Liebermann-Villa und das Haus der Wannseekonferenz. Auch dass die Farbe Blau fehlte irritierte uns etwas. Jedenfalls war es sehr interessant zu sehen, wie andere Künstler mit dem Material Fliese umgegangen sind. Wir rundeten die Exkursion mit Kaffee und Limonade im Café Corsini ab. Dabei ließ es sich auch leichter über die Details der Enthüllungsfeier unseres Mosaiks am 18.10.2019 nachdenken!

Ein Mosaik der Inspirationen

„Was ist für euch Lebensfreude?“ Mit dieser Frage begann unsere Workshopwoche zum Fliesenmosaik (05.08.-09.08.2019) und so unterschiedlich wie unsere Teilnehmer*innen, waren auch die Antworten darauf. Ob nun Musik, Comedy oder der eigene Hund, alle Beiträge waren willkommen und konnten als Grundlage für die Gestaltung des eigenen kleinen Mosaikabschnittes dienen. Es wurden Vorzeichnungen gemacht, es wurde verworfen, überdacht und debattiert. Daraus entstanden die ersten Skizzen und Farbkonzepte, die im Laufe der Woche weiter ausgearbeitet wurden. Der nächste Schritt bestand darin, die fertigen Entwürfe in „Papiermosaiksteinen“ umzusetzen, diese dann aufzukleben und auf der Grundlage die Glasmosaikstein zuschneiden (vielen Dank an Herrn Natterer von der VETROS GmbH – Glasmosaik Division -, der uns dieses schöne Material ermöglicht hat!). Aber die Woche bestand nicht nur aus der Arbeit an den einzelnen Bildabschnitten. Gemeinsam musste ein Motivanordnung entwickelt werden, es gab eine Einführung zur Historie von Fliesenmosaiken und die Realisierung des dreidimensionalen Motives unserer blinden Teilnehmer*innen musste seine Umsetzungform finden. Es war also viel zu tun und trotzdem konnten man vom ersten Tag an eine wunderbare positive Energie zwischen allen Teilnehmer*innen spüren, die jeden lächeln ließ, der den Arbeitsraum in der Galerie der Brotfabrik betrat. Es entstanden persönliche Gespräche zwischen den Teilnehmer*innen, es wurde gesungen und mit Begeisterung Ideen für weitere Treffen zusätzlich zum bestehenden Workshoprahmen aufgenommen. So wird zum einen Ende August eine Exkursion zum S-Bahnhof Wannsee stattfinden, um sich die dort angebrachten Mosaikfreseken anzusehen und sich inspirieren zu lassen. Und zum anderen freuen sich die Teilnehmer*innen sehr über das tolle Angebot des Bogensportclub BB – Berlin e.V. (www.bb-bogenschiessen.de), der die Gruppe zu einem kostenlosen Schnuppertraining eingeladen hat. Denn hier können, dank der Inklusionsarbeit des Bogensportclubs, sich alle zusammen an einem noch unbekannten Sportgerät ausprobieren.

Wir freuen uns, dass seit dieser Woche ein neues Mitglied zu unserem Team dazugestoßen ist: Kristina Köhler. Sie wird im Rahmen ihres Studiums (Bachelor des Gestaltungsthearpie/ Klinischen Kunsttherapie) ein Praktikum in unserem Projekt machen und sowohl den Workshopleitern assistieren, als auch die Teilnehmer*innen unterstützen. Willkommen, liebe Kristina!

Es passiert also so einiges hier in der Brotfabrik und umso mehr freuen wir uns auf die nächste Fliesenmosaikwoche vom 09.09.-13.09.2019!